Vernachlässigte Krankheiten

Malaria

„Der Einsatz von Moskitonetzen hat Kosten für die Behandlung von Malaria eingespart. Nun können wir dieses Geld für die Bildung unserer Kinder ausgeben.“
  • Helen Kyalimpa, Mutter, Kenia

Durch ein Netz gegen die gefährlichste Tropenkrankheit der Welt geschützt

Schaubild: Zyklen Malaria
Schaubild: Zyklen Malaria

Bis heute ist Malaria die gefährlichste unter den Tropenkrankheiten. Eine Schätzung der genauen Fallzahlen ist kaum möglich – laut World Malaria Report 2013 sind bis zu 207 Millionen Menschen erkrankt, bis zu 650.000 sterben jedes Jahr daran. Für die betroffenen Länder auch ein wirtschaftliches Fiasko: Die Krankheit mindert die Arbeitskraft, vor allem in ländlichen Gebieten, wo die Menschen den Überträgermücken besonders ausgesetzt sind, und bedroht die Fähigkeit der Bevölkerung, sich eigenständig zu versorgen. Betroffene Familien tragen eine zusätzliche Last, denn sie müssen aus ohnehin schon knappen Mitteln die Behandlungskosten bestreiten. Besonders gefährdet sind Kinder unter 5 Jahren, ältere Kinder haben hohe Fehlzeiten in der Schule. Ein Schutz vor der Krankheit bedeutet daher auch eine Investition in die Bildung der Kinder.

Imprägnierte Moskitonetze senken die Übertragungsgefahr

Imprägnierte Bettnetze senken die Infektionsgefahr mit Malariaerregern durch infizierte Stechmücken um bis zu 50 Prozent. Die WHO setzt auf hochwertige, reißfeste Netze, bei denen das Insektizid direkt in die Faser eingearbeitet ist.
Imprägnierte Bettnetze senken die Infektionsgefahr mit Malariaerregern durch infizierte Stechmücken um bis zu 50 Prozent. Die WHO setzt auf hochwertige, reißfeste Netze, bei denen das Insektizid direkt in die Faser eingearbeitet ist.

Die Eindämmung der Krankheit bleibt schwierig, da die wandlungsfähigen Erreger gegen Therapien schnell Resistenzen bilden und auch die Mücken inzwischen Resistenzen gegen die verwendeten Insektizide entwickelt haben. Dies ist besonders tragisch, da die Verwendung von Moskitonetzen einen effektiven Schutz gegen die infizierten Anopheles-Mücken darstellt. Sind die Netze mit Insektiziden imprägniert, erhöht das ihre Schutzwirkung zusätzlich. Bei korrekter Verwendung verringern sie das Infektionsrisiko um bis zu 50 Prozent. Die WHO setzt auf hochwertige Netze, die auch nach 20 Waschgängen nicht ihre Wirkung verlieren. Um eine nahezu flächendeckende Ausstattung in Afrika aufrechtzuerhalten, werden etwa 150 Millionen neue Netze pro Jahr benötigt.

Der Teilkonzern Bayer CropScience engagiert sich in mehreren Projekten im Kampf gegen Malaria. Unter anderem setzt sich das Unternehmen für die Versorgung der gefährdeten Bevölkerung mit imprägnierten Bettnetzen ein.

Haltbarer Schutz schon bei der Netz-Produktion

Anopheles stephensi: Die Stechmücke überträgt den Malariaerreger. Millionen Menschen sind gefährdet.
Anopheles stephensi: Die Stechmücke überträgt den Malariaerreger. Millionen Menschen sind gefährdet.

Bereits seit mehr als zehn Jahren liefert Bayer drei Insektizid-Formulierungen (K-O TAB®, K-O TAB 123 und K-Othrine® moustiquaire) zur nachträglichen Imprägnierung von Moskitonetzen. Nun hat das Unternehmen ein Verfahren entwickelt, bei dem die Imprägnierung schon bei der Herstellung in die Faser eingearbeitet wird. Die neuen Netze (LifeNet®) aus weichem, sehr reißfestem Polypropylen bieten bei sachgemäßer Anwendung auch nach über 30 Waschgängen bis zu fünf Jahre dauerhaften Schutz. LifeNet wurde von der WHO bewertet und befindet sich derzeit in der Markteinführung.

Eine zweite Anwendung, um die Überträgermücken unter Kontrolle zu bringen, ist das Aussprühen der Häuser mit Langzeitinsektiziden (indoor residual spraying, IRS). Allerdings beginnen sich auch hier Resistenzen gegen die gebräuchlichste Wirkstoffklasse der Pyrethroide zu entwickeln. Bayer ist mit seinen Wirkstoffen aber in der Lage, ein Rotationsverfahren mit mehreren nicht kreuzresistenten Insektiziden anzubieten. Dadurch können bestehende Resistenzen kontrolliert und die Neuentstehung von Resistenzen verhindert werden.

Neue Wirkstoffe gegen resistente Malariaüberträger

Zudem investiert Bayer in die Forschung zu neuen Ansätzen gegen Malaria-Mücken, die gegen die derzeit verwendeten Insektizide resistent sind. Seit 2009 arbeiten Bayer und das Innovative Vector Control Consortium (IVCC) gemeinsam an neuen, resistenzbrechenden Wirkstoffen. Beim Screening der Substanzbibliothek von Bayer CropScience – einer der größten weltweit – haben die Forscher vier geeignete chemische Substanzen identifiziert, die nun von Chemikern weiterentwickelt werden. Darüber hinaus werden Insektizide, die unter anderem in der Landwirtschaft eingesetzt werden, auf ihre Wirksamkeit gegen Mücken getestet. Auch hier befinden sich geeignete Ansätze bereits in der Endprüfungsphase. Ein Erfolg dieser zweigleisigen Bemühungen wäre für die Menschen in den Malaria-Gebieten wie auch für die Wissenschaft sensationell: Neue Wirkmechanismen gegen die Malaria-Mücken wurden zuletzt vor 60 Jahren, der letzte neue Wirkstoff vor 20 Jahren entwickelt.

Aufklärung ist eine wichtige Säule in der Malariaprävention.

Zahl der Fälle weltweit: 207 Millionen (zwischen 135 und 287 Millionen), vor allem in Afrika.

Übertragung: Parasiten der Gattung Plasmodium werden durch den Stich der Anopheles-Mücke auf den Menschen übertragen.

Krankheitsverlauf: Unbehandelt verläuft die schwere Malaria (Infektion mit Plasmodium falciparum) tödlich, da die Krankheit die Blutversorgung der Organe unterbricht. Die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen sind Kinder unter 5 Jahren und Schwangere. Malaria kann in den meisten Fällen mit einer artemisinin-basierten Kombinationstherapie wirksam behandelt werden.

Aufgaben bei der Bekämpfung: Bereitstellung von Medikamenten für die betroffene Bevölkerung; Prävention durch flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit langlebigen, imprägnierten Moskitonetzen und Aufklärung über deren richtige Verwendung; Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen resistente Erreger und Überträger.