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Personalisierte Medizin

Das richtige Medikament für den richtigen Patienten

Krankheitsprozesse wie auch die Wirkung von Arzneimitteln verlaufen nicht bei allen Menschen gleich. Individuelle Unterschiede wie die Gene oder auch das Alter beeinflussen das Auftreten von Krankheiten genauso wie die Aufnahme und Verstoffwechslung medizinischer Wirkstoffe im Körper. Die „Personalisierte Medizin“ berücksichtigt solche Unterschiede und will sie zu ihrem Vorteil nutzen:

Von individuell zugeschnittenen Therapien erhoffen sich Forscher für die Patienten eine verbesserte Ansprechrate auf die gewählte Behandlung, geringere Nebenwirkungen und eine unter Umständen kürzere Behandlungsdauer - je nach Art der Erkrankung. Auch Bayer ist auf diesem Gebiet aktiv.

Keine “One-fits-all”-Lösung gegen Krebs

Besonders in der Onkologie sind präzise abgestimmte Behandlungsansätze enorm wichtig. Die Krankheit tritt in unzähligen Formen auf, jeder Tumor hat andere biochemische und genetische Voraussetzungen. Wirksame „One-fits-all“-Therapien gegen Krebserkrankungen zu entwickeln, ist daher kaum möglich, wie man heute weiß. Die Ansprechrate auf eine Behandlung liegt im Bereich der Krebstherapie teilweise bei nur 20%, das bedeutet, nur jedem Fünften kann geholfen werden.

Darum versuchen die Forscher, „personalisierte“ Lösungen zu schaffen. Das heißt einerseits, Medikamente zielgerichtet gegen bestimmte Tumorarten zu entwickeln: Je präziser ein Arzneimittel die Krebszellen ins Visier nimmt, desto schlagkräftiger ist es gegen die Krankheit und desto geringer ist das Risiko von Nebenwirkungen – ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen Chemotherapien, die auch gesundes Körpergewebe angreifen und damit den Patienten stark belasten. Andererseits wollen die Wissenschaftler durch spezifische Tests schon vor Behandlungsbeginn eine Einschätzung ermöglichen, ob ein Medikament bei der individuellen Krebserkrankung eines Patienten gute Erfolgsaussichten hat.

Tumormarker sollen über die Wirksamkeit entscheiden

Der Schlüssel für eine präzise Diagnose und Therapieentscheidung bei Krebs sind häufig sogenannte Tumormarker. Dabei handelt es sich um spezielle Merkmale von Krebszellen, zum Beispiel bestimmte Proteine auf der Zelloberfläche oder im Zellinneren, durch die sich Tumore spezifisch detektieren, der Grad der Erkrankung oder auch das Ansprechen auf eine Behandlung messen lassen.

Moderne zielgerichtete Krebsmedikamente wie die therapeutischen Antikörper zum Beispiel, können jedoch nur wirken, wenn ein Patient tatsächlich über den entsprechenden Tumormarker verfügt. Deshalb werden häufig parallel zu dem eigentlichen Therapeutikum zusätzliche Diagnostikverfahren entwickelt – ein Gebiet, auf dem Bayer auch intensiv mit externen Partnern zusammenarbeitet. Diese Diagnostikverfahren sollen vor Therapiebeginn die Tumormarker in Blut-, Gewebe- oder DNA-Proben nachweisen. So lassen sich frühzeitig die Patienten identifizieren, die gute Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung haben. Während der Therapie erlauben diese diagnostischen Marker zudem eine direkte Überwachung des Therapieerfolgs, also Aussagen darüber, ob und wie gut ein Patient auf das Medikament anspricht.

Für Patienten ohne den spezifischen Tumormarker wäre die entsprechende Therapie aller Wahrscheinlichkeit nach keine wirksame Waffe gegen den Krebs. Ihnen kann der Tumormarker-Test die Belastung einer vermutlich erfolglosen Behandlung ersparen bzw. ermöglicht das frühzeitige Ausweichen auf möglicherweise mehr Erfolg versprechende Medikamente.

Mehrwert für alle Beteiligten

Um die Möglichkeiten der „Personalisierten Medizin“ voll auszuschöpfen, will Bayer für jeden Wirkstoff in der Entwicklungspipeline eine eigene Biomarker-Strategie entwickeln. Dies geschieht bereits für alle onkologischen Projekte. Wo immer es die wissenschaftlichen Möglichkeiten erlauben, sollen Biomarker identifiziert und Testverfahren entwickelt werden. So können künftig hoffentlich schon für die klinischen Studien Patienten ausgewählt werden, die am ehesten von dem neuen Therapieansatz profitieren könnten. Es ist geplant, den Ansatz der personalisierten Medizin und der parallelen Therapie- und Biomarkerentwicklung zukünftig auch auf Projekte aus dem Bereich der Herz-Kreislaufforschung auszudehnen, da sich auch hier der individualisierte Ansatz anbietet, um Behandlungserfolge zu erhöhen.

Experten erwarten, dass die „Personalisierte Medizin“ in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird – zumal dieser Ansatz einen Mehrwert für alle Parteien in der Gesundheitswirtschaft schafft: Nicht nur Patienten profitieren von einer individuell zugeschnittenen Therapie, sondern auch Ärzte (durch eine erleichterte Therapieauswahl), Zulassungsbehörden (präzisere Nutzen-Risiko-Beurteilung) und Kostenträger (effizienterer Einsatz der vorhandenen Ressourcen durch eine potenzielle Verminderung zusätzlicher oder wirkungsloser Behandlungen).