Frauengesundheit

Prämenstruelle Dysphorie (PMDD)

Stimmungsschwankungen, Depressionen, Gereiztheit, Verlust der Beherrschung, aber auch körperliche Symptome wie Brustspannen und aufgebläht sein – viele Frauen erleben das regelmäßig im Rahmen ihres monatlichen Zyklus. Prämenstruelles Syndrom (PMS) heißt das Leiden in der Fachsprache.
 

Monatlicher Ausnahmezustand

Geschätzte drei bis acht Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind dabei sogar von einer besonders schweren Ausprägung prämenstrueller Beschwerden betroffen – von einer prämenstruellen Dysphorie (engl.: premenstrual dysphoric disorder; PMDD). Von dieser spricht man, wenn mindestens fünf klassische PMS-Symptome gemeinsam – und in besonders gesteigerter Form – auftreten. Zum Beispiel eine ausgesprochen depressive Verfassung mit Gefühlen großer Hoffnungslosigkeit oder starker Gereiztheit.

Das resultierende subjektive Leiden kann sehr groß sein und bis zu zwei Wochen je Monatszyklus währen. Üblicherweise beeinträchtigen die PMDD-Symptome auch das Familien- und Sozialleben sowie die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen.

Wegen der scheinbar unspezifischen Symptome, und auch, weil viele Frauen die Symptome als einen normalen Teil ihres Zyklus betrachten, bleibt die Mehrzahl der an PMDD leidenden Frauen undiagnostiziert. Allein in den USA wird deren Anteil auf 90 Prozent der vermutlich 4,5 Millionen von PMS betroffenen Frauen geschätzt.

Hormonempfindlichkeit könnte eine Rolle spielen

Warum manche Frauen an PMDD leiden und andere nicht, ist noch unklar. Lange Zeit vermutete man die Ursache in unterschiedlichen Hormonkonzentrationen, doch inzwischen weiß man: Frauen mit PMDD-Symptomen weichen in dieser Hinsicht praktisch kaum ab von Frauen ohne Symptome.

Eine andere Vermutung ist daher, dass nicht so sehr die Hormonkonzentrationen entscheidend sind, sondern vor allem die Empfindlichkeit bestimmter Rezeptoren im zentralen Nervensystem für diese Hormone. Insbesondere die Empfindlichkeit für das nach dem Eisprung vermehrt ausgeschüttete Hormon Progesteron könnte hier eine entscheidende Rolle spielen.

Verhütungsmittel kann helfen

Aus den bisherigen Forschungserkenntnissen leiten sich zwei verschiedene Vorgehensweisen ab. Bei einem versucht man, Rezeptoren im zentralen Nervensystem direkt zu beeinflussen. So sind beispielsweise bestimmte Antidepressiva ein Weg, um die emotionalen Symptome eines PMDD-Leidens zu behandeln.

Andere Therapieansätze verfolgen das Ziel, den Eisprung zu verhindern. Im Extremfall ist hier das operative Entfernen der Eierstöcke ein Mittel. Aber es gibt auch die Möglichkeit, die Ovulation durch orale Verhütungsmittel zu hemmen. Das Problem dabei ist, dass orale Verhütungsmittel eine synthetische Progesteron-Komponente (Gestagen) enthalten. Ähnlich wie das natürliche Progesteron kann diese die PMDD-Symptome – trotz Hemmung des Eisprungs – verstärken oder sogar hervorrufen.

In diesem Zusammenhang hebt sich ein orales Verhütungsmittel von Bayer ab. Es enthält das Gestagen Drospirenon, das sich in seinem pharmakologischen Profil deutlich von anderen synthetischen Gestagenen unterscheidet. Anscheinend trägt dieser Unterschied dazu bei, dass Drospirenon die üblichen Symptome lindern kann. Zwei klinische Studien haben diese Wirkung bestätigt. In einer Studie nahm das Ausmaß der Beschwerden bei knapp 50 Prozent der Teilnehmerinnen um die Hälfte oder sogar mehr ab.

Seit Oktober 2006 besitzt das entsprechende Präparat in den USA eine Zulassung zur Behandlung der emotionalen und körperlichen Symptome der PMDD – als erstes orales Verhütungsmittel überhaupt. Inzwischen ist das Produkt auch in Australien sowie in einigen Ländern Lateinamerikas und Asiens für diese Indikation zugelassen.

Hinweis für Patienten

Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente. Deswegen können wir Ihnen nicht sagen, welches Medikament für Sie das richtige ist. Bitte fragen Sie Ihren Arzt.