Krebs

Leben mit Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern weltweit – über 1,2 Millionen Neuerkrankungen wurden 2018 diagnostiziert1. Ob Sie selbst betroffen sind oder einen Erkrankten betreuen: Das Leben mit Prostatakrebs verändert Ihr Leben und Ihre persönlichen Beziehungen.

Eine Krebsdiagnose zu erhalten, kann viele Emotionen auslösen. Bestimmt haben Sie auch viele Fragen. Sprechen Sie mit vertrauenswürdigen FreundInnen oder Familienmitgliedern und Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin – sie können helfen, Ihre Ängste zu lindern oder Ihre Fragen zu beantworten. Jeder an Krebs erkrankte Mensch ist besonders. Genauso einzigartig sind auch die dazu gehörenden Krankheitsgeschichten und die Erfahrungen der Angehörigen. Über Ihre eigene Krebserkrankung zu sprechen, könnte Ihnen den Umgang mit der Krankheit erleichtern und auch anderen Betroffenen in einer ähnlichen Situation helfen.

Lesen Sie hier von den Erfahrungen zweier Patienten und einem Angehörigem:

Matias, Brasilien

Ich habe meinen Vater auf seinem Krankheitsweg begleitet

Im Jahr 2010 wurde bei meinem Vater im Alter von 77 Jahren metastasierender Prostatakrebs diagnostiziert. Das war für unsere Familie ein großer Schock. Mein Vater hatte immer darauf geachtet, alle sechs Monate seine prostataspezifischen Antigen-(PSA)-Werte überprüfen zu lassen. Bei seinem letzten Arztbesuch war der PSA-Wert wesentlich höher als normal. Eine Biopsie ergab einen Gleason-Wert von 9 – der Krebs hatte also bereits Metastasen gebildet. Wir konnten alle nicht glauben, dass sich in der kurzen Zeit zwischen den regelmäßigen Routine-Check-Ups eine so aggressive Krebsform entwickeln konnte.

Mein Vater begann sofort mit der konventionellen Hormontherapie (Androgendeprivationstherapie, kurz (ADT). Wir gingen alle davon aus, dass Prostatakrebs trotz Metastasierung eine beherrschbare Krankheit sei – es gibt ja sehr viele Behandlungsmöglichkeiten. Glücklicherweise führte die Hormon-Behandlung in den ersten drei Jahren zu einem anhaltend niedrigen PSA-Wert. Doch leider entwickelte mein Vater nach dreieinhalb Jahren Knochenmetastasen.

Seine Ärztin behandelte die verschiedenen Nebenwirkungen der Behandlung, aber mein Vater veränderte sich sehr – er wirkte niedergeschlagen und war nicht mehr so optimistisch wie früher. Er hatte viele muskuläre Probleme und die Knochenmetastasen waren sehr schmerzhaft für ihn. Er fuhr nicht mehr wie früher mit dem Fahrrad und klagte häufig über Schwindel.

Ich versuchte, ihn so gut wie möglich zu unterstützen. Ich habe ihn häufiger besucht und aufgemuntert. Er wusste, dass er mit Fragen oder Bedenken zu seinem Behandlungsplan immer zu mir kommen konnte. Im Jahr 2014 machten wir einen letzten gemeinsamen Familienurlaub nach Cancun. Mein Vater hatte schon immer davon geträumt, die Karibik zu sehen, und ich bin sehr froh, dass wir ihm das noch ermöglichen konnten.

Die Krebserkrankung meines Vaters wirkte sich auf unsere gesamte Familie aus.

Meine Mutter war unermüdlich damit beschäftigt, das Leben für meinen Vater so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie kochte für ihn, sie führte den Haushalt – ihr Leben war ganz auf ihn und seine Krankheit ausgerichtet. Mein Vater arbeitete bis zu dem Tag, an dem er ins Hospiz musste. Meine Mutter konnte sich nicht mehr um ihn kümmern; er konnte kaum noch laufen, die Metastasen hatten sein Bewusstsein getrübt und er war verwirrt.

Als mein Vater starb, kämpfte meine Mutter schwer mit dem Verlust. Sie waren über 45 Jahre verheiratet ihr Lebensinhalt war mit dem Tod meines Vaters komplett weggebrochen. Wenn es eine Sache gibt, die ich gelernt habe, dann, dass die betroffenen Familienmitglieder viel Unterstützung benötigen. Natürlich brauchte mein Vater Unterstützung – sowohl emotional als auch körperlich –, aber auch meine Mutter benötigte Hilfe.

Die Krankengeschichte meines Vaters motiviert mich tagtäglich im Beruf: Ich arbeite im Bereich Regulatory Affairs bei Bayer und setze mich unermüdlich dafür ein, dass Arzneimittel so früh wie möglich zur Zulassung eingereicht werden – insbesondere in meinem Heimatland Brasilien. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ein einziges Medikament sowohl das Leben von PatientInnen als auch das ihrer Angehörigen verändern kann.

Anthony, USA

Prostatakrebs betrifft auch Männer unter 50

Auch heute wird noch häufig davon ausgegangen, dass nur ältere Männer an Prostatakrebs erkranken. Nun – ich war 48 Jahre alt, als ich die Diagnose bekam. Ich hatte eine radikale Prostatektomie und begann bald darauf mit präventiven Behandlungen. Üblicherweise werden Männer bis 50 Jahre nicht auf Prostatakrebs untersucht – auf Nachfrage können Sie jedoch altersunabhängig mit einen einfachen Bluttest ihre PSA-Werte (Prostata-spezifisches Antigen) überprüfen lassen.

Es kostete mich Überwindung, meine Diagnose nach außen zu kommunizieren. Ich war mir nicht sicher, wie alle um mich herum reagieren würden und ob sie sich mir gegenüber aufgrund meiner Diagnose anders verhalten würden. Es fiel mir sehr schwer, es meiner Familie zu sagen, aber glücklicherweise sind wir uns sehr nah. Selbst jetzt, während meiner Behandlung, ist es für mich sehr schwierig, mit jemandem über die Nebenwirkungen zu sprechen.

Meinen Alltag weiterzuführen und weiterhin meinen Hobbies nachzugehen, hat sich als problematisch herausgestellt. Ich habe einfach nicht mehr die Energie wie früher und die Nebenwirkungen der Behandlung schränken mich sehr ein.

Ich kann anderen betroffenen Männern nur raten, ausführlich mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin zu sprechen, sich gegebenenfalls eine zweite Meinung einzuholen und viele Fragen zu stellen. Lassen Sie außerdem zu, dass Ihre Familie und Ihre FreundInnen Ihnen helfen. Und vergessen Sie nicht, dass es heute jede Menge Informationen zu Prostatakrebs gibt. Man kann den Krebs bewältigen!

 

Paul, USA

Schnelles Handeln ist entscheidend

Bei mir wurde Prostatakrebs diagnostiziert, als ich 57 Jahre alt war.  Glücklicherweise wurde die Krankheit in einem frühen Stadium erkannt. Ich war eigentlich nur zum Arzt gegangen, da das häufige Wasserlassen nachts meinen Schlaf störte.

Mein Hausarzt meinte zunächst, es gäbe keinen Grund zur Sorge, verwies mich aber an einen Urologen, um ganz sicher zu gehen. Mein prostataspezifischer Antigen (PSA)-Wert lag bei 4, was nicht unbedingt als hoch angesehen wird. Eine Biopsie ergab jedoch Prostatakrebs. Der Gleason-Wert deutete zudem auf eine mögliche aggressive Tumorentwicklung hin.

Ich konnte ich es zuerst nicht glauben. Auch mein Vater hatte Prostatakrebs, aber er war bei der Diagnose über 70 und damit wesentlich älter als ich gewesen. Ich rief sofort meine Frau an und sagte es ihr; so etwas hätte ich nicht geheim halten können. Mein Urologe schlug eine Prostatektomie vor, da der Tumor nur die Prostata betraf und sich zum Glück noch nicht ausgebreitet hatte. Die Operation wurde zwei Monate nach meiner Diagnose durchgeführt. Danach hatte ich ziemlich starke Schmerzen und einige postoperative Probleme, aber mit der Zeit ging es mir besser – seitdem bin ich krebsfrei.

Meine PSA-Werte lasse ich jedes Jahr von meinem Hausarzt überprüfen. Ich würde Männern empfehlen, mithilfe von einfachen Bluttests ihre PSA-Werte regelmäßig überprüfen zu lassen und schnell zu handeln, wenn tatsächlich Prostatakrebs diagnostiziert wird. Für mich war die Operation die beste Option. Ich würde die gleiche Entscheidung noch einmal treffen.

Zum diesjährigen Movember legen wir Ihnen ans Herz, Ihre Prostatakrebs-Geschichte und Erfahrungen mit uns zu teilen. Schauen Sie auf unseren Social Media Kanälen, Twitter, Facebook und LinkedIn, und nehmen Sie an der Diskussion teil.


Quellen:
1World Health Organization, International Agency for Research on Cancer, Globocan 2018, Prostate Cancer Factsheet , Last accessed October 2018
2 National Cancer Institute, NCI Dictionary of Cancer Terms, PSA, Last accessed October 2018
3 National Cancer Institute, NCI Dictionary of Cancer Terms, Gleason Score, Last accessed October 2018
4 National Cancer Institute, NCI Dictionary of Cancer Terms, Hormone therapy, Last accessed October 2018
5 National Cancer Institute, NCI Dictionary of Cancer Terms, Radical prostatectomy, Last accessed October 2018
6 National Cancer Institute, NCI Dictionary of Cancer Terms, PSA, Last accessed October 2018
7 Ibid
8 National Cancer Institute, NCI Dictionary of Cancer Terms, Gleason Score, Last accessed October 2018
9 National Cancer Institute, NCI Dictionary of Cancer Terms, Prostatectomy, Last accessed October 2018