Therapie + Versorgung

Krebs: 100 Erkrankungsformen, einzigartige Schicksale.

37,2 Billionen Zellen, 3,2 Milliarden DNA-Basenpaare, 19.000 proteinkodierende Gene, 2.000 aktive Proteine in einer Zelle, 10 Millionen chemische Reaktionen pro Sekunde, in jeder Zelle, in über 70 Organen1; da überrascht es nicht, dass nicht alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen auf Krebsbehandlungen ansprechen.

Derzeit wirken Therapien je nach Krebsart und Indikation nur in 20% bis 75% aller Patientinnen und Patienten. Sollten Sie selbst oder ein Ihnen nahestehender Mensch zu denen gehören, die nicht auf eine Behandlung ansprechen, ist das schier unerträglich. Dabei richtet sich die Hoffnung im alltäglichen Sprachgebrauch häufig auf das eine große, "bahnbrechende" Krebsmedikament – bahnbrechend sind jedoch auch schrittweise Fortschritte bei selteneren oder schwer zu behandelnden Krebsarten. Dies gilt insbesondere für Patientinnen und Patienten, die auf gängige Therapien nicht ansprechen.

Wirksamere Krebsbehandlungen beruhen auf stetigen Fortschritten in Forschung und Entwicklung. Während 1975 noch weniger als die Hälfte aller krebskranken Menschen fünf Jahre nach ihrer Diagnosestellung am Leben blieben, überleben heute zwei Drittel aller Betroffenen ihre Diagnose um fünf Jahre und länger.

Voraussichtlich wird die Zahl der Krebserkrankungen in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit um 70% steigen – damit einher geht die drängende Suche nach der Antwort auf die Frage, warum einige Patientinnen und Patienten nicht auf bestimmte Krebsbehandlungen ansprechen. Die Krebsforschung bei Bayer konzentriert sich auf fokussierte Behandlungsansätze für die betroffenen Patientinnen und Patienten und ihre jeweilige Krebsart.

Verbesserung der Lebensqualität statt reines Überleben

Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern. Dank des Screening-Programms zur Früherkennung und eines breiteren Spektrums an Behandlungsmöglichkeiten ist die Erkrankung in den vergangenen Jahren in vielen Fällen beherrschbar geworden. Leider sieht es für die von Knochenmetastasen betroffenen Patienten weniger gut aus: Ihre 5-Jahres-Überlebensrate sinkt dramatisch von 56% auf 3%, und weniger als die Hälfte der Betroffenen überlebt ein Jahr2.

Dieses Beispiel zeigt uns, wie sehr die Schwere einer Krebserkrankung variieren kann und wie besonders jede einzelne Patientin und jeder einzelne Patient ist. Wir bei Bayer messen die Wirksamkeit und den Wert eines Medikaments nicht nur an der Überlebensrate der Patientinnen und Patienten, sondern berücksichtigen auch die Lebensqualität während und nach der Behandlung. Wir möchten, dass Männer während und nach ihrer Prostatakrebsbehandlung ein aktives Leben führen können. Patientinnen und Patienten haben unterschiedliche Behandlungsziele und brauchen auf sie zugeschnittene Behandlungspläne. Wir wollen weitere Wege finden, um Patientinnen und Patienten die beste verfügbare Behandlung für ihre spezifische Krebsart anbieten zu können.

Welchen Nutzen Patientinnen und Patienten aus Präzisionsmedizin ziehen können

Wäre es nicht großartig, wenn wir immer neue Wege der Krebsbehandlung finden könnten, so dass Patientinnen und Patienten nicht zwingend stark beeinträchtigende und invasive Behandlungen über sich ergehen lassen müssen? Unser Verständnis von Krebs ist in den letzten Jahren gewachsen – in den letzten fünf Jahren kamen 70 neue Krebstherapien auf den Markt3. Wir bei Bayer konzentrieren uns auf gezielte Krebstherapien, die das Leben der Patientinnen und Patienten entscheidend verändern können.
Dazu untersuchen wir verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die den Krebs mit seinen mehr als 100 Erkrankungsformen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Präzisionsbehandlungen könnten den Patientinnen und Patienten zusätzlichen Nutzen bringen und das Behandlungsergebnis und die Lebensqualität verbessern:


Weniger Nebenwirkungen

Unter Krebsbehandlungen verstehen die meisten Menschen immer noch chirurgische Eingriffe, Chemotherapie oder Bestrahlung. Diese Methoden töten jedoch nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen. Im Vergleich dazu haben gezielte Therapien häufig weniger Nebenwirkungen, denn es werden spezifisch Krebszellen mit bestimmten Eigenschaften angegriffen, die gesunde Zellen nicht aufweisen. Daher bleiben gesunde Zellen weitestgehend unbehelligt. Weniger Nebenwirkungen bedeuten für die Patientinnen und Patienten in ihrer schweren Lebenssituation einen wertvollen Mehrgewinn an Lebensqualität und Zeit, die sie mit Familie und Freundinnen und Freunden verbringen können.


Bekämpfung der Krankheitsursache

Wissen über Genetik kann helfen, Krebsarten, die durch genetische Modifikationen ausgelöst werden, zu behandeln. Für diese speziellen Krebsarten existieren häufig nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten. Eine genetisch bedingte Krebsart ist der Tropomyosin-Rezeptor-Kinase- (TRK) Fusionsbedingte Krebs. Bei der TRK-Krebsform fusioniert das Gen der Neurotrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase (NTRK), die für die Tropomyosin-Rezeptor-Kinase (TRK)-Rezeptoren kodieren, mit anderen Genen, was zu Krebsentstehung und -wachstum führt.

TRK-Fusionskrebs ist nicht auf eine Gewebeart beschränkt oder an das Alter der Patientin oder des Patienten gebunden; sie kann überall im Körper auftreten, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Derzeit gibt es keinen Behandlungsstandard, und die betroffenen Patientinnen und Patienten sind oft mit Behandlungen wie Amputation oder Chemotherapie, die ihr Leben nachhaltig beeinträchtigen, konfrontiert.

Spezifische Tests können die dem TRK-Fusionskrebs zugrundeliegenden NTRK-Genfusionen nachweisen. Indem man Patientinnen und Patienten testet und herausfindet, ob dem Krebswachstum eine behandelbare Veränderung der Tumorbiologie zugrunde liegt, können Ärztinnen und Ärzte die Ursache der Krankheit gezielt angehen. Gezielte Ansätze könnten dazu führen, dass mehr Patientinnen und Patienten eine wirksame Behandlung ihrer Krebsart erhalten.


Höhere Wirksamkeit

Zusammen mit unserem Partner Loxo Oncology entwickeln wir eine innovative Therapie für Patientinnen und Patienten mit TRK-Fusionskrebs. Die Behandlung würde bei Zulassung richtungsweisend für die Behandlung bestimmter Krebsarten sein und einen Paradigmenwechsel bedeuten, denn sie greift in die Funktionsweise des Tumors ein, und zielt nicht, wie sonst bisher üblich, auf die Tumorlokalisation im Körper der Patientin oder des Patienten ab.

Studien zu diesem neuen Ansatz zeigten eine bedeutende und langanhaltende Wirksamkeit des Wirkstoffes, und wir hoffen, dass wir Kindern und Erwachsenen, die von dieser schweren Krankheit betroffen sind, diese neue Behandlungsoption schon bald anbieten können.

 


Die Erweiterung unseres Verständnisses von Krebs und der dahinterliegenden Biologie ist entscheidend, um neue Wege zur Behandlung von Patientinnen und Patienten zu finden, die an häufigen Krebsarten oder an einer seltenen Krebsform leiden. Es gibt hunderte von Krebsarten, aber jede Patientin und jeder Patient ist besonders. Wir werden unsere Suche nach der bestmöglichen Behandlung für die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten fortsetzen – we won’t rest.

 
Quellen:
[1] SAP, Performance Databases - www.brmassocllc-org.com/Singh_20150608_HighPerformanceDB.pptx Zuletzt aufgerufen im Mai 2018
[2]  Nørgaard, Mette et. al., Skeletal Related Events, Bone Metastasis and Survival of Prostate Cancer: A Population Based Cohort Study in Denmark (1999 to 2007), J. Urology (2010) 184(1): 162–67.
[3] MM&M, Looking beyond overall survival, Volker Wagner, https://www.mmm-online.com/technology/looking-beyond-overall-survival/article/703296/ , Zuletzt aufgerufen im Mai 2018