Äthiopien: Familienplanung

als Entscheidung

Der Apotheker Solomon Betre, 56, hat in seinen beiden Filialen in Addis Abeba schon viele Kundinnen auf dem Gebiet der Familienplanung beraten. Seinen Erfahrungen zufolge ist Empfängnisverhütung in Äthiopien eine Frage von Einkommen und Bildung.

Shanty Town im Zentrum von Addis Abeba. In der Hauptstadt Äthiopiens wohnen insgesamt dreieinhalb Millionen Menschen, die meisten von ihnen bitterarm. Zwei Drittel der Bevölkerung können weder lesen noch schreiben. Aufgrund regelmäßiger Dürrekatastrophen sind viele Menschen unterernährt.

Im Zuge der Reformation des äthiopischen Gesundheitssystems wurden die Beratung im Bereich Familienplanung und der Zugang zu Kontrazeptiva verbessert. Bertukan Michael, 50, seit über dreißig Jahren Mutter-Kind-Schwester, ist stolz, dass Empfängnisverhütung infolgedessen heute deutlich öfter praktiziert wird.

Frauen, die lange Wartezeiten in den öffentlichen Gesundheitszentren vermeiden möchten oder während der Öffnungszeiten verhindert sind, bekommen in Apotheken ebenfalls kompetenten Rat. Neben Verhütungspillen bieten die Apotheker weitere Kontrazeptiva an. So kann jede Frau ihre Verhütungsmethode an ihre Lebensumstände anpassen.

Nach Schätzungen der WHO aus dem Jahr 2012 wünschen sich über 200 Millionen Frauen in Entwicklungsländern zuverlässige Verhütungsmittel, haben aber keinen Zugang dazu. Um dies zu ändern, verkauft der Apotheker Nemayehu Dhabu, 28, seinen Kundinnen Kontrazeptiva zu einem günstigen Preis.

Fikirte Disasa, 22, hat bewusst verhütet und ihren sechs Monate alten Sohn erst nach Beendigung ihrer Ausbildung bekommen. Laut den Vereinten Nationen ist Familienplanung dringend notwendig. Sie stärkt die Position der Frauen, reduziert die Kindersterblichkeit und verbessert die Gesundheit von Müttern.

Fatuma Amans Mann lehnt Empfängnisverhütung ab, obwohl die wirtschaftliche Situation der Familie momentan keine Kinder zulässt. Während sich Frauen heute verstärkt mit Familienplanung beschäftigen, wollen sich viele Männer nach wie vor nicht damit auseinandersetzen.

Äthiopien: Frauen

und Empfängnisverhütung

Sy Nuy Talib, 24, ist eine von über 38.000 Absolventinnen einer einjährigen Ausbildung zur Gesundheitsberaterin. Wie ihre Kolleginnen, die vorwiegend auf dem Land eingesetzt werden, berät sie Familien in Gesundheitsfragen und auf dem Gebiet der Familienplanung.

Tefetawit Gebre Aregawi, 24, arbeitet als Health Officer in einem der Gesundheitszentren der Großstadt Adama. Sie koordiniert die Arbeit der mobilen Gesundheitsberaterinnen, berät Patienten und versorgt sie kostenlos mit Medikamenten.

Familienplanung ist ein kulturelles und religiöses Tabu in Äthiopien. Deswegen nähert sich Tefetawit den Frauen, die zu ihr kommen, zunächst auf der menschlichen Ebene, bevor sie mit ihnen über Empfängnisverhütung spricht.

Die meisten Äthiopierinnen leben in einem Teufelskreis aus Armut, Bildungsmangel und ungewollten Schwangerschaften. Viele haben keinen Zugang zu Kontrazeptiva, manche lehnen Verhütung aus Angst vor Unfruchtbarkeit und Nebenwirkungen ab. Mobile Gesundheitsberaterinnen wie Sy Nuy leisten hier wichtige Aufklärungsarbeit.

Krankenpfleger Melkanu Rideper, 25, arbeitet in einer Marie Stopes Klinik in Addis Abeba. Sie ist ein Zufluchtsort für ungewollt schwangere Frauen, die sich zu einer Abtreibung durchgerungen haben, obwohl dies gesellschaftlich nicht akzeptiert und nur unter bestimmten Umständen legal ist.

Südafrika: Tuberkulose

Sindiswei, 27, trägt einen Mundschutz, weil sie an Tuberkulose leidet. Diese bakterielle Infektionskrankheit befällt beim Menschen meistens die Lunge. Sie wird durch Tröpfcheninfektion bereits beim Sprechen, Niesen oder Husten übertragen.

Professor Andreas Diacon von der Universität Stellenbosch in Kapstadt erforscht neue Tuberkulose-Therapien. Die Krankheit galt in weiten Teilen der Welt bereits als ausgerottet. Doch durch mangelnde Kontrollen und resistente Bakterienstämme wurde sie erneut zu einer weltweiten Bedrohung.

Alando Adams, 25, hat Tuberkulose. In seinem Heimatland Südafrika ist die Krankheit die Haupttodesursache. Weltweit steckt sich jede Sekunde ein Mensch neu an. Bereits ein Drittel der Weltbevölkerung ist latent mit Tuberkulose infiziert.

Gabiba Daniels, 40, wohnt in einem Elendsviertel Kapstadts. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass Tuberkulose oft die ärmsten der Armen trifft. Trotz ihrer Erkrankung trägt sie keinen Mundschutz und stellt damit eine große Gefahr für die Menschen in ihrer Umgebung dar.

Taharqa Elnour, 27, ein Mitarbeiter von Professor Diacon, rekrutiert Teilnehmer für TB-Studien. Die meisten kommen aus dem Umsiedlungscamp Blikkiesdorp. Hier leben 14.000 Menschen in schlechter körperlicher Verfassung auf engstem Raum in 1700 fensterlosen, kaum belüfteten Wellblechhütten. Umstände, die das Camp zu einem Brutkasten für Tuberkulose machen.

Durch abgebrochene Behandlungen, mangelnde Versorgung mit Medikamenten und unkontrollierten Einsatz von Antibiotika konnten einige Arten von Mykobakterien Resistenzen gegen die herkömmlichen Wirkstoffe zur Behandlung von Tuberkulose entwickeln. Mit seinem Team, der Task Applied Science, sucht Professor Diacon deshalb nach neuen Therapien.

Uganda: Afrikanische

Schlafkrankheit

Moses, 28, Farmer, wurde durch den Stich eine Tsetsefliege mit der Afrikanischen Schlafkrankheit infiziert. Dank einer neuen Therapie wird er in ein bis zwei Jahren wieder richtig gesund sein. Dann kann er seine Familie wie gewohnt bei dem Anbau von Mais und Kassava unterstützen.

Olema Erphas, 38, ist Leiter eines Gesundheitszentrums im Nordwesten Ugandas. Dort behandelt er viele Menschen, die an der Afrikanischen Schlafkrankheit leiden. Ärzte, die mit der Krankheit weniger vertraut sind, missinterpretieren ihre Symptome wie Kopf- und Gelenkschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit oftmals. Die daraus resultierende falsche Behandlung kann zum Tod des Patienten führen.

Yusuf, 35, Farmer, wurde 1993 von einer Tsetsefliege gestochen und mit der Afrikanischen Schlafkrankheit infiziert. Die Fliege lebt überwiegend dort, wo die Farmer ihre Felder bestellen: in feuchten, dicht bewachsenen Ufergebieten.

Die neunjährige Adomaté leidet an den typischen Symptomen der Afrikanischen Schlafkrankheit. Sie schläft fast ununterbrochen, kann sich kaum bewegen, spricht und isst nicht. Mittlerweile hat sie so viel Gewicht verloren, dass sie nur noch aus Haut und Knochen besteht.

Adomatés Eltern suchten jahrelang nach einem kompetenten Arzt. Seit das Mädchen von Olema Erphas im Gesundheitszentrum von Omugo mit der neuen Kombinationstherapie behandelt wird, hat sich ihr Zustand deutlich gebessert Trotzdem wird es noch eine Weile dauern, bis sie wieder gesund ist.

Um eine bessere Therapie gegen die Afrikanische Schlafkrankheit zu finden, wurden im Gesundheitszentrum von Omugo unter strenger Beobachtung klinische Studien durchgeführt. Krankenschwester Sanda Tuteu, 44, ist stolz, dass sie helfen konnte, eine Therapie mit weniger Nebenwirkungen und verkürzter Behandlungsdauer zu entwickeln.

Die verbreitete westafrikanische Form der Schlafkrankheit kann heute mit einer Kombinationstherapie aus den Wirkstoffen Nifurtimox und Eflornithin erfolgreich behandelt werden. Auch der achtjährige Samuel hat diese Therapie erhalten und ist inzwischen fast geheilt.

Der Aberglaube, die Afrikanische Schlafkrankheit sei durch eigenes Fehlverhalten verursacht, ist in Uganda weit verbreitet. Erkrankte gelten oft als verhext und werden gemieden. Dabei ist der Rückhalt von Freunden und Familie, wie Moses ihn erfahren hat, ganz besonders wichtig, um den Kampf gegen die Krankheit zu bestehen.

Kongo: Der Kampf

gegen HAT

Dr. Crispin Lumbala ist Arzt, Seuchenexperte und Leiter des Programms zur Bekämpfung der Humanen Afrikanischen Trypanosomiasis der Demokratischen Republik Kongo. Als Koordinator des Nationalen kongolesischen Programms zur Bekämpfung der Schlafkrankheit ist er für die gesamte Logistik in allen Provinzen des Landes verantwortlich.

Mensch und Tsetsefliege haben dieselben Bedürfnisse und Vorlieben: Wasser und Schatten. Beide leben bevorzugt an Flussläufen mit dichter Vegetation. Dort, wo die Menschen in Wassernähe ihre Felder bewirtschaften, am Ufer fischen, Wäsche waschen oder im Kongo auch Diamanten suchen, legt die Tsetsefliege ihre Larven in den Boden.

HAT-Patienten im Krankenhaus von Bandundu Ville bei der Einnahme von Lampit, einem Bestandteil von NECT, der Eflornithin-Nifurtimox-Kombinationstherapie für das zweite, schwerere Stadium der Krankheit.

Sylvain Baloji Kanga, nationaler Supervisor der Forschungsabteilung des Programms zur Bekämpfung der Humanen Afrikanischen Trypanosomiasis der Demokratischen Republik Kongo, klärt Kinder in Kutumpay über die Gefahren und Vermeidung der Krankheit auf.

Bewohnerin von Mushie auf dem Weg zur öffentlichen Wasserstelle, um Geschirr abzuwaschen. Mushie ist am besten auf dem Wasserweg erreichbar: circa 15.000 Kilometer des Kongos und seiner Nebenflüsse sind schiffbar. Das gilt auch für Kwilu, Kwango und Kasai, über die man Mushie erreicht.

Das Krankenhaus in Mushi ist ein noch während ihrer Kolonialherrschaft von den Belgiern gebautes Hospital. Fürs Wäschewaschen und Kochen sind Verwandte verantwortlich, die sich um die Patienten kümmern. So fallen nicht nur die Patienten selbst als Arbeitskraft aus, sondern auch Familienangehörige.

Nsole Bompina (Mitte), ein an HAT erkrankter Fischer, mit seiner Schwester Isumu und seinem Bruder Lokua, der ihn in einer vierzehnstündigen Einbaumfahrt ins Krankenhaus brachte. Er ist stark von der Krankheit gezeichnet. Seine Geschwister waschen und füttern ihn täglich, so dass insgesamt drei Verdiener der Familie ausfallen.

Ausrufer des mobilen Einsatzteams in Ngantoko. Die Ankündigung dient nicht nur der Verbreitung der Nachricht, sondern soll auch helfen, ökonomische, psychische und kulturelle Widerstände der Bevölkerung zu überwinden, denn oft werden Krankheiten in Afrika immer noch als Fluch, Verwünschung oder Sünde gesehen.

Bewohner des Dorfes Ngantoko melden sich beim Sekretär des mobilen Einsatzteams, um sich für die HAT-Untersuchung anzumelden, ihre Daten zu hinterlassen und anschließend zur Blutabnahme zu gehen. Alle Willigen nennen ihren Namen sowie ihr Geburtsdatum und werden vom Sekretär mit einem kleinen Laufzettel zur zweiten Station des Screenings geschickt.

Mit dem CATT, dem Card Agglutination Test for Trypanosomiasis wird ermittelt, ob jemand in Kontakt mit Trypanosomen gekommen ist und Antikörper entwickelt hat. Befinden sich Antikörper im Blut der untersuchten Person, sieht man nach einer Weile die Agglutination, die Verklumpung der Zellen. Der Test ist positiv, die Person jedoch noch nicht als HAT-Patient bestätigt.

Die Bäuerin Lola Ngafutu mit zwei ihrer sechs Kinder. In Abwesenheit ihres Mannes verweigert sie eine Lumbalpunktion, mit der ihre Genesung bestätigt werden sollte. Die Chancen, dass Lola tatsächlich geheilt ist, sind in diesem Fall allerdings groß, denn das Kleinkind auf ihrem Arm wurde nach ihrer Behandlung geboren und ist gesund.

Alexandre Mbukatoto, Leiter des mobilen Einsatzteams in Kutumpay, ist überzeugt: „Wir bringen die Techniken für den Kampf und die Früherkennung dorthin, wo es keine Krankenstationen gibt und die Bevölkerung sehr arm ist. Ohne die mobilen Einsatzteams ist der Kampf gegen die Trypanosomiasis unmöglich!“