Familienplanung

Aufklärungsprogramme – für eine selbstbestimmte Familienplanung

„Der Ansatz des YAP ist: Je früher wir junge Heranwachsende über sexuelle Gesundheit autklären, desto besser.“
  • David Kafambe, Projektkoordinator „Youth Truck“, Uganda

 

Die Vorbeugung ungeplanter Schwangerschaften setzt voraus, dass sichere Verhütungsmittel möglichst ohne Hürden zugänglich sind. Dies ist aber nicht die einzige Voraussetzung: Teenager und junge Erwachsene müssen frei entscheiden können, ob sie bereit sind, ein Kind zu bekommen, und die Tragweite ihrer Entscheidung verstehen.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Leidtragenden sind vor allem Mädchen und junge Frauen in den Entwicklungsländern: Laut dem Weltbevölkerungsbericht der UNFPA von 2013 werden 19 Prozent aller Mädchen in Entwicklungsländern vor ihrem 18. Geburtstag schwanger, viele sind zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet. 20.000 Teenager-Geburten pro Jahr, 3,2 Millionen unsichere Abtreibungen und 70.000 Todesfälle unter Teenagern aufgrund von Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt zeigen das Ausmaß des Problems. Viele betroffene Mädchen brechen die Schule ab und verlieren damit die Chance auf eine berufliche Zukunft und die Möglichkeit, später für sich und ihr Kind zu sorgen.

Lehrer, Eltern und Schüler im Dialog zu Aufklärungsfragen
Lehrer, Eltern und Schüler im Dialog zu Aufklärungsfragen

Zwar sind Teenager in entwickelten Ländern in geringerem Maße betroffen, doch auch hier besteht ein hoher Aufklärungsbedarf: Umfragen haben gezeigt, dass viele Teenager und junge Erwachsene beim „ersten Mal“ mit einem neuen Partner nicht verhüten, auch wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Sie riskieren damit nicht nur die weitreichenden Folgen einer ungeplanten Schwangerschaft (oder Abtreibung), die neben gesundheitlichen Risiken langfristig auch ein erhebliches Armutsrisiko bergen kann. Sie laufen auch Gefahr, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken.

Es ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, Teenager und junge Erwachsene aufzuklären, ihnen das Wissen für selbstbestimmte Entscheidungen in Sexualität und Familienplanung an die Hand zu geben und gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen, um die Rechte von Mädchen und jungen Frauen auf selbstbestimmte Entscheidungen in der Familienplanung zu stärken. Sexualaufklärung ist darum eine tragende Säule in unserem weltweiten Engagement.

Das Young Adolescents Project

Gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hat Bayer deshalb ein innovatives Programm zur Aufklärung von Jugendlichen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und die entsprechenden Rechte (SRHR) ins Leben gerufen. Das „Young Adolescents Project“ (YAP) startete 2009 in Uganda und wurde 2013 auf Kenia ausgeweitet. Im Rahmen des Projekts erhalten Heranwachsende im Alter von zehn bis 14 Jahren altersgerechte Informationen zu Sexualität und Verhütung. Schülerinnen und Schüler sprechen über Themen der sexuellen Gesundheit und lernen, wie sie sich vor einer ungeplanten Schwangerschaft und einer Ansteckung mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können.

Das Projekt bezieht Eltern, Lehrer und Vertreter der Gemeinden von Anfang an mit ein und ist in den Schulalltag vor Ort integriert. So können langfristige Veränderungen erreicht werden: eine offenere Gesprächskultur über Sexualität und Verhütung zwischen Eltern und ihren Kindern sowie ein verändertes Verständnis von Geschlechterrollen, das die Position von Mädchen stärkt. Solche Umwälzungen sind nur mit breiter Unterstützung des sozialen Umfelds möglich – das haben die Erfahrungen aus dem YAP in Uganda gezeigt.

Weltverhütungstag

Zuerst erwachsen werden, dann eine Familie gründen: Dieses Ziel will der Welt-Verhütungstag („World Contraception Day“) für Jugendliche weltweit verwirklicht wissen. Namhafte internationale und nationale Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen werben im Zuge der Kampagne für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität und Verhütung. Bayer ist seit Beginn der Initiative mit dabei und unterstützt sie inhaltlich und als Hauptsponsor finanziell.

2013 feierte der World Contraception Day sein zehnjähriges Bestehen. Höhepunkt der ganzjährigen Kampagne ist jährlich der 26. September. An diesem Tag werden Pressekonferenzen, Konzerte und weitere Events in rund 70 Ländern in aller Welt veranstaltet. Ansonsten konzentriert sich die Kampagne vor allem auf Kanäle, über die junge Menschen am besten erreichbar sind: Neben Veranstaltungen für Lehrer, Eltern und medizinisches Personal gehört dazu zum Beispiel die Website www.your-life.com, die über Verhütung und Sexualität informiert und den Austausch fördert. Prominente, junge Blogger sowie lokale Organisationen und Medien haben im Zuge der Kampagne Brücken zu den jungen Menschen geschlagen und sich für die Ziele des Welt-Verhütungstages eingesetzt.

Drastische Wissenslücken schließen

Zwischen 2009 und 2011 gaben Bayer und seine Partner mehrere Studien in Auftrag: Insgesamt wurden 14.000 junge Menschen aus 29 Ländern zu ihrem Wissen und ihren Einstellungen in Sachen Verhütung und Sexualität befragt. Die Umfragen offenbarten drastische Wissenslücken, aus denen sich ein hoher Aufklärungsbedarf zu Themen der Sexualität und Verhütung ergibt.

Die beteiligten Partnerorganisationen:

  • Asian Pacific Council on Contraception (APCOC)
  • Centro Latinoamericano Salud y Mujer (CELSAM)
  • European Society of Contraception and Reproductive Health (ESC)
  • Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
  • International Federation of Pediatric and Adolescent Gynecology (FIGIJ)
  • International Planned Parenthood Federation (IPPF)
  • Marie Stopes International (MSI)
  • Population Services International (PSI)
  • The Population Council
  • The United States Agency for International Development (USAID)
  • Women Deliver

GeNext Uganda: Aufklärung unter Gleichaltrigen

Ein besonderes Aufklärungsprogramm unter dem Schirm des World Contraception Day initiierten die Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und Bayer 2013 in Uganda. Unter dem Motto „GeNext Uganda: My Life, My Future“ soll es innerhalb eines Jahres 18.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 einbeziehen.

Zunächst werden 60 junge Freiwillige zu Multiplikatoren ausgebildet. Sie organisieren anschließend in ihren Gemeinden selbstständig Events, um aufzuklären, das Bewusstsein für das Thema Verhütung zu schärfen und weitere junge Leute als Multiplikatoren zu gewinnen.

Health Camps in Kooperation mit den lokalen Gesundheitsbehörden bieten Teenagern zudem Beratung rund um die Familienplanung und ermutigen sie, sich mit Fragen an die örtlichen Gesundheitseinrichtungen zu wenden.

Je früher wir junge Heranwachsende über sexuelle Gesundheit aufklären, desto besser!

Das Young Adolescents Project wurde 2009 als gemeinschaftliche Initiative von der DSW und Bayer ins Leben gerufen. Der Projektkoordinator David Kafambe spricht über Ziele und Perspektiven und berichtet aus erster Hand über Erfahrungen, die er bei der Arbeit mit jungen Heranwachsenden in zehn Gemeinden in Uganda gemacht hat.