Vernachlässigte Krankheiten

Flussblindheit

„Unser Ziel ist die Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität der Menschen, die an vernachlässigten Krankheiten leiden.”
Dr. Bernard Pécoul, Geschäftsführer DNDi – Drugs for Neglected Diseases initiative Schweiz

Blind durch einen Wurm

Eine der am meisten vernachlässigten tropischen Krankheiten ist die sogenannte „Flussblindheit“, eine parasitäre Erkrankung. Verursacher der Krankheit ist ein Fadenwurm, dessen Larven durch Stiche der Kriebelmücke übertragen werden. Kriebelmücken brüten in Sturzbächen und Flüssen, meistens in abgelegenen Dörfern in der Nähe von fruchtbarem Land, in denen die Einwohner von der Landwirtschaft abhängig sind. Die Flussblindheit gehört zu den häufigsten infektiösen Ursachen für Blindheit weltweit.

Die derzeit erhältlichen Medikamente gegen die Flussblindheit sind lediglich gegen die Mikrofilariae, also Larven und junge Würmer, wirksam. Die ausgewachsenen Würmer überleben bis zum Ende ihrer natürlichen Lebensdauer und erzeugen in dieser Zeit immer mehr neue Generationen von Nachkommen.

Ein Antiparasitikum als neue Therapieoption

Emodepsid ist ein Makrofilarizid, das auch die ausgewachsenen Fadenwürmer abtötet. Der Wirkstoff hat sich in der Tiermedizin bereits bewährt. Die Bayer-Division Animal Health bietet das Antiparasitikum bereits seit 2005 in verschiedenen Wirkstoffkombinationen zur Bekämpfung von Würmern bei Haustieren an. Emodepsid stammt vom japanischen Pharmaunternehmen Astellas und wurde von Animal Health für veterinäre Zwecke weiterentwickelt. Präklinische Studien belegen, dass der Wirkstoff die für die Flussblindheit verantwortlichen Fadenwürmer wirksam abtötet. Damit Bayer an Emodepsid in dieser Indikation weiterforschen kann, hat Astellas die Rechte an das Unternehmen übertragen.

Neue Partnerschaft in der Produktentwicklung

Dies könnte die Behandlungsdauer erheblich verkürzen, was einen signifikanten Fortschritt in dem lang andauernden Kampf gegen Flussblindheit bedeuten würde. Eine kürzere Behandlungsdauer wäre nicht nur für den betroffenen Patienten eine erhebliche Entlastung, sondern auch für das lokale Gesundheitssystem. Das Medikament wäre nicht nur für die Behandlung der breiten Masse, sondern auch für individuelle Therapien geeignet.

Aus diesem Grund freuen wir uns darüber, eine Vereinbarung mit der DNDi (Drugs for Neglected Diseases Initiative) – eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die sich für die Entwicklung und Einführung neuer Medikamente und Therapien für die am meisten vernachlässigten Krankheiten einsetzt – zu schließen und mit ihr gemeinsam an neuen Therapiemöglichkeiten gegen Flussblindheit zu arbeiten.

Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung über die Entwicklung und Bereitstellung des Antiparasitikums Emodepsid wurde am 9. Dezember 2014 unterzeichnet. Emodepsid würde unter anderem eine Verkürzung der Behandlungsdauer ermöglichen und einen großen Fortschritt im Kampf gegen die Flussblindheit bedeuten.

Die Zusammenarbeit mit der DNDi im Kampf gegen Flussblindheit ist für Bayer ein weiterer Schritt im Rahmen seines langjährigen Engagements gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten. Die beiden Partner konnten bereits im Kampf gegen eine andere Tropenkrankheit einen gemeinsamen Erfolg verbuchen: Während die DNDi zusammen mit weiteren Partnern die Kombinationstherapie aus Nifurtimox und Eflornithin (NECT) zur Behandlung der Afrikanischen Schlafkrankheit entwickelte, stellte Bayer das entsprechende Medikament dafür zur Verfügung. NECT steht inzwischen auf der WHO-Liste der lebensnotwendigen Medikamente (List of Essential Medicines).