Forschungsschwerpunkte

Gynäkologie

Vorreiter in Verhütung und Hormonersatztherapie

Mit fast neunzig Jahren Erfahrung ist Bayer einer der echten Pioniere auf dem Gebiet der Frauengesundheit. In den 1920er-Jahren führten Wissenschaftler von Bayer – damals noch unter dem Namen Schering AG – Grundlagenforschung durch und leisteten einen maßgeblichen Beitrag zum Verständnis der Molekularstruktur von Sexualhormonen. Im Jahr 1928 brachte das Unternehmen das erste Östrogenpräparat der Welt zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden auf den Markt. Später entwickelten die Forscher Ethinylestradiol, das noch heute der Östrogenbestandteil der meisten Empfängnisverhütungspillen ist. Im Jahr 1961 führte das Unternehmen die erste Antibabypille Europas ein.

Gynäkologische Therapien

Krankheiten wie Endometriose und Myome der Gebärmutter stellen einen großen ungedeckten medizinischen Bedarf in der Gynäkologie dar. Meist haben diese Erkrankungen erhebliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen. Bis heute besteht die Notwendigkeit, zufriedenstellende medikamentöse Therapien für diese häufigen Krankheiten zu entwickeln, die eine große Anzahl von Frauen in unserer Gesellschaft betreffen. Seit mehreren Jahren konzentriert Bayer daher seine Forschungsaktivitäten in der Frauenheilkunde auf die Entwicklung neuer Therapien für diese beiden gutartigen gynäkologischen Krankheiten. Die Bayer-Wissenschaftler arbeiten hierbei eng mit Forschern aus der Krebsmedizin zusammen und nutzen auf diese Weise fachübergreifende Kompetenzen.

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die bei fünf bis zehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter auftritt. Dabei wächst ähnliches Gewebe wie in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter, beispielsweise in den Eileitern oder auf den Eierstöcken oder anderen inneren Organen. Das führt zu einer chronischen Entzündung, die schwere, krampfartige Menstruationsschmerzen, Blutungen, chronische Unterleibsschmerzen und langfristig Verwachsungen der betroffenen Organe verursachen kann. Endometriose ist eine häufige Ursache für Unfruchtbarkeit.

Mit operativer Entfernung der Krankheitsherde kann man die Schmerzen für eine gewisse Zeit bekämpfen. Jedoch bestehen hierbei die üblichen Risiken einer Operation sowie weiterer Verwachsungen und einer hohen Rückfallrate. Die derzeit erhältlichen Arzneimittel greifen stark in den Hormonhaushalt der Frau ein. So genannte GnRH-Analoga lindern die Symptome, indem sie den Östrogenspiegel im Körper deutlich absenken. Das kann eine chemisch ausgelöste Verschiebung der Menopause mit allen typischen Nebenwirkungen wie Osteoporose, Hitzewallungen usw. bewirken. Daher sind GnRH-Analoga für Langzeittherapien nicht geeignet.

Die Forscher bei Bayer haben nun ein erstes wirksames Verfahren zur Behandlung von Endometriose auf lange Sicht entwickelt, und zwar durch Reduzierung des Östrogenspiegels in einem bestimmten Behandlungszeitfenster: Die unerträglichen Schmerzen können erheblich abgemildert werden, ohne Östrogenmangelsymptome zu verursachen, wie es bei GnRH-Analoga der Fall ist. Ein weiterer Wirkstoff befindet sich derzeit in der Frühphase der klinischen Entwicklung.Heute liegt der Forschungsschwerpunkt der Bayer-Wissenschaftler auf nichthormonellen Therapieansätzen mit optimiertem Nutzen-Risiko-Profil und höherer Wirksamkeit. Diese Therapeutika sollen auch Frauen helfen, die unzureichend auf hormonelle Heilmittel ansprechen oder für eine Hormonbehandlung ungeeignet sind.

Gebärmutter-Myome sind gutartige Geschwulste des Gebärmuttermuskels. Mindestens fünf Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter haben symptomatische Myome. Zu den häufigsten Symptomen gehören schwere, manchmal lang anhaltende Menstruationsblutungen und Schmerzen im Beckenbereich. Darüber hinaus kann der Druck auf Organe und Nervenbahnen, der durch die bis zu 20 Zentimeter dicken Knoten entsteht, Rückenschmerzen und Beschwerden beim Geschlechtsverkehr sowie bei der Blasen- und Darmentleerung verursachen. Solche Beschwerden können behandlungsbedürftig sein.

Myome sind zurzeit der häufigste Grund für Hysterektomien (Entfernung der Gebärmutter). Alternativen – wie Schlüssellochchirurgie, Ultraschall oder minimal-invasive Sklerosierung des Tumors durch Blockierung der zuführenden Arterien – sind nicht für alle Patientinnen und Myomtypen geeignet. Die Forscher von Bayer arbeiten daher an neuen Behandlungskonzepten, die sowohl das Wachstum der Myome hemmen als auch die Symptome lindern, insbesondere die starken Menstruationsblutungen.