Augenheilkunde

Retinaler Venenverschluss (RVO)

Ein retinaler Venenverschluss (RVO) ist eine chronische Augenkrankheit, die zu einem plötzlichen Verlust der Sehkraft führen kann. RVO ist die zweithäufigste Ursache für Sehverlust durch krankhafte Veränderungen an den Blutgefäßen in der Netzhaut. Patienten mit RVO können unter einer verschwommenen Sicht leiden, Flecken sehen (auch bekannt als "fliegende Mücken"), eine verzerrte Sicht haben oder sogar einen plötzlichen und vollständigen Sehverlust erleiden

Es gibt zwei Arten von RVO:

  • Retinaler Zentralvenenverschluss (CRVO): CRVO wird durch einen Verschluss der Zentralvene in der Netzhaut verursacht.
  • Retinaler Venenastverschluss (BRVO)
    Bei BRVO sind einer oder mehrere Venenäste der Zentralvene der Netzhaut blockiert. Die Krankheit tritt bis zu sechs Mal häufiger auf als CRVO.

Weltweit sind 16,4 Millionen Menschen von RVO betroffen, davon 13,9 Millionen von BRVO und 2,5 Millionen von CRVO. Das Risiko einer RVO wächst mit zunehmendem Alter - dabei befinden sich viele RVO Patienten noch im erwerbsfähigen Alter. Tatsächlich ist einer von sechs CRVO Patienten jünger als 55 Jahre.

Ein Verschluss der Blutgefäße der Netzhaut kann zu erheblichen Sehstörungen führen.

RVO wird durch den Verschluss von Blutgefäßen in der Netzhaut verursacht, dem lichtempfindlichen Nervengewebe, das den Augenhintergrund auskleidet. Wenn dieser Verschluss nicht behoben wird, können eine Reihe von Komplikationen auftreten. Eine dieser Komplikationen äußert sich in einer reduzierten Sauerstoffversorgung der Netzhaut und führt zu einer übermäßigen Expression des Proteins vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor (VEGF). Dieses kann die Bildung von Blutgefäßen mit anormal erhöhter Durchlässigkeit induzieren, die wiederum eine Schwellung der Makula verursachen kann, dem für die Sehschärfe verantwortlichen zentralen Teil der Netzhaut. Diese Vorgänge können in jedem Stadium von RVO ablaufen. In einem späteren Krankheitsstadium, wenn der Blutfluss empfindlich geschädigt ist, kann eine erhöhte VEGF-Konzentration auch zu einem anormalen und unkontrollierten Wachstum von Blutgefäßen führen. Die häufigste Ursache des Sehverlustes bei Patient_innen mit RVO ist eine Schwellung in der Makula (Makulaödem).

Die entscheidende Ursache für RVO ist noch nicht vollständig geklärt, aber verschiedene Risikofaktoren könnten zu einer Bildung von Blutgerinnseln in den retinalen Venen beitragen: fortgeschrittenes Alter, andauernder Bluthochdruck, Grüner Star, Diabetes, hohe Cholesterinwerte, Herz-Kreislauferkrankungen und Rauchen.

Eine frühzeitige Erkennung von RVO ist entscheidend, um die besten Ergebnisse zu gewährleisten.

Eine verspätete Diagnose und Behandlung kann zu einem irreversiblen Schaden an der Netzhaut führen, die eine Verbesserung des Sehvermögens dauerhaft einschränken. Bei plötzlichem oder allmählichem Sehschärfenverlust muss die Netzhaut mit einem Ophthalmoskop untersucht werden. Hierbei wird Licht auf den Augenhintergrund gelenkt, so dass der Arzt oder die Ärztin die kleinen Blutgefäße durch die Pupille hindurch sehen kann. Falls der Patient oder die Patientin an RVO leidet, wird der Arzt oder die Ärztin geweitete und durch eine Blutansammlung sich schlängelnde Blutgefäße sehen sowie Blutungen in die Retina oder Schwellungen durch den Austritt von Flüssigkeit beobachten können.

Durch die richtige Behandlung könnten die Patienten ihre Sehkraft zurückgewinnen.

Es gibt keine allgemein anerkannte medizinische Therapie zur Behandlung des zugrundeliegenden retinalen Venenverschlusses. Sollte sich das Blutgerinnsel nicht spontan auflösen, bleibt den Ärztinnen nur die gründliche Überwachung von RVO-Patientinnen im Hinblick auf ein Fortschreiten der Krankheit und die Behandlung der Sehkraft bedrohenden Komplikationen. Anti-VEGF-Therapien sind mittlerweile die Standardbehandlung von Patientinnen mit durch RVO eingeschränktem Sehvermögen. Die Patientinnen behalten nicht nur ihre Sehkraft, sondern können diese auch zurückgewinnen. Anti-VEGF-Therapien blockieren den Wachstumsfaktor VEGF, der für eine Schwellung und die spätere Durchlässigkeit sowie für das Wachstum von neuen, anormalen Blutgefäßen verantwortlich ist. Vorherige Behandlungsmethoden wie Lasertherapie, Vitrektomie und Steroide konnten nur zur Stabilisierung der Krankheit beitragen und/oder eine geringfügige Verbesserung des Sehvermögens herbeiführen.

2013 wurde die anti-VEGF-Therapie von Bayer erstmalig zur Behandlungsoption bei Makulaödem durch retinalen Zentralvenenverschluss (CRVO) zugelassen. Die Behandlung ist heute in vielen Ländern der Welt zugelassen, darunter die USA und Japan, sowohl für CRVO als auch für BRVO.

Hinweis für Patienten

Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente. Deswegen können wir Ihnen nicht sagen, welches Medikament für Sie das richtige ist. Bitte fragen Sie Ihren Arzt.